Aktuell: Elsbetha Bünzli – heimgeholt.

Elsbetha Bünzli: heimgeholt.
Hexenverfolgung in Uster. Eine Spurensuche.

Die Hinrichtung der Nossikerin Elsbetha Bünzli als angebliche Hexe steht im Mittelpunkt einer historischen Spurensuche. Eine Veranstaltungsreihe der reformierten Kirche und des Stadtarchivs Uster erinnert an ihr tragisches Schicksal im Jahr 1656.

Im Jahr 1655 wird der Kanton Zürich von einem schweren Sturm getroffen. In Uster stürzt der Kirchturm ein,  zerstört das Kirchendach sowie den Chor und lässt sämtliche Fenster bersten. Ein Ereignis, das die  Bevölkerung verunsichert zurücklässt. Mit grossem Eifer und der Unterstützung der Zürcher Obrigkeit machen sich die Ustermer Handwerker an die Instandstellung. Bereits im folgenden Jahr ist die Kirche wieder wie neu. Den Abschluss der Bauarbeiten feiert die Ustermer Bevölkerung mit einem grossen Fest.

Doch der Friede trügt.

Elsbetha Bünzli: verfolgt, gefoltert, hingerichtet
Während des Wiederaufbaus gerät eine der ihren, eine 44-jährige Nossikerin namens Elsbetha Bünzli, unter den Verdacht der Hexerei. Sie wird in Zürich eingekerkert, gefoltert und nur eine Woche nach dem Fest durch das Schwert hingerichtet. Ihren Leichnam verbrennt man anschliessend als Zeichen des Ausschlusses aus der Gesellschaft auf einer Kiesbank in der Sihl. 

Diente sie als Sündenbock für das schwere Unwetter? Spielte Ihr Lebensstil eine Rolle? Hatte sie ihren Mitmenschen geschadet? Weshalb wurde sie über die Massen oft und grausam gefoltert?

Als Frau aus prekären Verhältnissen und am Rande der Gesellschaft setzte sich niemand für sie ein. In einer Welt voll magischen Denkens geriet Elsbetha Bünzli vielmehr in die Mühlen einer vorverurteilenden Justiz und konnte der Qual nur durch ein falsches Geständnis ein Ende setzen.

Die Aufarbeitung 2026
Gemeinsam mit Kulturschaffenden und Forschenden haben die reformierte Kirche und das Stadtarchiv Uster eine Veranstaltungsreihe organisiert, um dem Schicksal von Elsbetha Bünzli Raum zu geben. Pfarrer Matthias Rüsch beschreibt das Ziel folgendermassen: «Wir können das vom Kollektiv begangene Unrecht und zuletzt ihren Hinrichtungstod nicht ungeschehen machen. Wir können uns aber ihre Geschichte ins Gedächtnis rufen und unserer Mitbürgerin von damals einen Platz in der menschlichen Erinnerungsgesellschaft geben.»

Für die Veranstaltenden ist es wichtig, dass die Ereignisse von damals nicht gemäss heutigen Narrativen erklärt werden. Franziska Sidler, Leiterin des Stadtarchivs und der Kläui-Bibliothek, betont: «Wir müssen den Wissensstand sowie die Moralvorstellungen der Frühneuzeit kennen, um die Motive der Täter zu verstehen. Eine Lesart nach aktuellen Wertesystem wird den Umständen des 17. Jahrhunderts nicht gerecht. Deshalb haben wir neben der künstlerischen und spirituellen Auseinandersetzung auch Anlässe der wissenschaftlichen Betrachtung aus historischer, theologischer, psychologischer und medizinischer Perspektive organisiert.» 

Für Matthias Rüsch hat der Titel «Elsbetha Bünzli: heimgeholt» eine doppelte Bedeutung: «Himmelschreiendes Unrecht hatte sie damals heimgeholt, ja heimgesucht. Heute wollen wir sie im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in die Ustermer Gedenkkultur hineinnehmen, nach Uster zurückholen und ihr auf dem alten Friedhof hinter der Kirche einen Gedenkort geben.» Für diesen Ort des Gedenkens und der stillen Reflexion erschafft die Künstlerin Sonja Feldmeier ein skulpturales Werk, das zum Verweilen und Nachdenken einlädt. Auch zum Nachdenken, wie weit und in welcher Form heute Mechanismen der Ausgrenzung greifen, wo sie spielen und wie die leide Suche nach dem Sündenbock durchbrochen werden kann.

Öffentliche Veranstaltungsreihe 
Die Veranstaltungsreihe richtet sich an die gesamte Bevölkerung. Alle Anlässe sind öffentlich und kostenlos zugänglich.

Zugehörige Objekte

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