Die Stadt Uster macht vorwärts beim Thema Bahnquerungen

19. November 2020
Nach Aufgabe des kantonalen Strassenprojektes «Uster West» arbeitet der Stadtrat an einem Konzept für barriereunabhängige Bahnquerungen. Die dafür erarbeiteten Grundsätze und möglichen Lösungsansätze wurden mit Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderats konstruktiv diskutiert. Damit sind die Voraussetzungen für ein mehrheitsfähiges Konzept bis Ende Jahr geschaffen.

Nachdem im Sommer die Planung der Strasse «Uster West» durch den Kanton Zürich gestoppt wurde, hat der Stadtrat beschlossen, alternative Lösungen für eine bessere verkehrliche Anbindung der Stadt zu suchen. Bis Ende 2020 wird dazu ein Konzept erarbeitet. Dieses soll aber nicht einfach auf ein Nachfolgeprojekt für «Uster West» abzielen, sondern die Verkehrssituation der Stadt gesamthaft betrachten und Bedürfnisse des motorisierten Verkehrs wie auch des Bus-, Velo- und Fussverkehrs berücksichtigen.

Bahnquerungen als grösste mehrerer Herausforderungen

Wer von Norden oder Westen her ins Zentrum von Uster gelangen will, muss zwangsläufig die Bahnlinie queren. Hierfür gibt es zwischen Nänikon und dem Aatal auf Ustermer Stadtgebiet 20 Möglichkeiten, einige für alle Verkehrsmittel wie an der Winterthurerstrasse, einige aber nur für Fussgängerinnen und Fussgänger wie beispielsweise die Unterführung Mitte beim Bahnhof. Die zahlreichen Bahnquerungen à Niveau stellen in Uster das Hauptärgernis der städtischen Mobiliät dar. Die langen Barriereschliesszeiten blockieren zu Fussgehende, Velos und den motorisierten Verkehr gleichermassen. Die Wartezeiten werden mit dem Ausbau der S-Bahn und der Realisierung der Doppelspur ins Aatal weiter zunehmen, teilweise auf bis zu 45 Minuten.

Wenn also der Verkehr in Uster flüssiger werden soll, dann muss man sich mit den Bahnquerungen befassen. Aber nicht nur. Patrick Neuhaus, der als Stadtplaner die Verantwortung für das neue Konzept trägt, sieht mehrere Herausforderungen: «Für ein für alle Verkehrsteilnehmende funktionierendes Verkehrsnetz müssen wir einige Bahnquerungen als Unterführung ausbauen, damit der Verkehr unabhängig von der S-Bahn fliessen kann. Welche Querungen dies betrifft, gilt es sorgfältig zu analyiseren und, wo notwendig, flankiernde Massanhmen zu bestimmen. So wollen wir negative Folgen für das Stadtzentrum vermeiden, das ja bereits heute an zu viel Verkehr leidet. Dabei liegt die Qualität in der umfassenden Betrachtung und nicht auf dem Fokussieren auf eine einzelne Massnahme.»

Ausbau einer Kombination von Bahnquerungen

Damit das Konzept die notwendige breite Abstützung findet, wurden Grundsätze und mögliche Lösungsansätze mit Vertreterinnen und Vertretern des Gemeinderates diskutiert. Dabei zeigte sich, dass die Grundsätze für alle Parteien stimmen: So soll der motorisierte Individualverkehr auf den kantonalen Hauptstrassen gebündelt werden. Für die zu Fussgehenden und den Veloverkehr sind zusätzliche Querungsstellen mit Bahnunterführungen vorzusehen, um für diese ein dichteres Netz anbieten zu können. Ebenso waren sich die Politikerinnen und Politiker einig, dass im Konzept keine Tunnellösungen beleuchtet werden sollen. Immer wieder wird in der Öffentlichkeit disktutiert, ob die Verkehrsprobleme nicht mit einem S-Bahn-Tunnel oder einem Strassentunnel gelöst werden könnten. Für Patrick Neuhaus sind diese Lösungen nicht realistisch: «Ein Bahntunnel ist mit Kosten in Milliardenhöhe finanziell und auch rechtlich ausserhalb des Möglichen für die Stadt Uster. Und ein Strassentunnel würde kein innerstädtisches Verkehrsproblem lösen.» Stattdessen will man sich von Anfang an auf finanzierbare und mehrheitsfähige Lösungen fokussieren.

Stadtratsbeschluss bis Ende Jahr

Bauvorstand Stefan Feldmann zieht nach den Diskussionen ein positives Fazit: «Wir konnten sowohl in den Grundsätzen wie auch in der Stossrichtung für die Lösungsfindung ein hohes Mass an Konsens erreichen. Darauf aufbauend werden wir nun bis Ende Jahr ein umfassendes Konzept für alle Verkehrsmittel erarbeiten, das aufzeigt wie die Bahnquerungen anzugehen sind. Dabei müssen wir sicherstellen, dass die Massnahmen neben dem motorisierten Individualverkehr auch für Velos und Fussgängerinnen und Fussgänger Verbesserungen bringen. Denn das im Stadtentwicklungskonzept proklamierte Ziel «Uster steigt um!» findet nur Akzeptanz wenn die Velofahrenden, die zu Fussgehenden und der Bus innerhalb der Stadt möglichst ungehindert zirkulieren können.» Der Stadtrat wird Ende Jahr über das Konzept befinden, dieses im Anschluss dem Gemeinderat zur Kenntnisnahme unterbreiten und im kommenden Jahr in die Verhandlungen mit Kanton und SBB starten.

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