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Stadthaus: 05. Kunst und Architektur: Die Plastik «Rhythmus im Raum» von Max Bill (1965)

Bills «Rhythmus im Raum»
Max Bill-Plastik «Rhythmus im Raum» auf dem Stadthausplatz Uster,
Aufnahme vom Einweihungstag am 9. Oktober 1965
(© Fritz Bernhard, Stadtarchiv und Kläui-Bibliothek Uster)

Beschreibung
Max Bill platzierte die Plastik im hinteren Teil des Platzes auf einem senkrecht zur Abschlussmauer errichteten Mauerfundament, so dass sie vor die geschlossene Travertin-Wand zu stehen kam. Von der Bodenfläche des Platzes abgehoben, tritt die Plastik in eine enge Beziehung zu den offenen, überdachten Verbindungswegen. Die Höhe der Plastik ist so gewählt, dass sich die Skulptur aus der Distanz betrachtet nicht mit den Dächern der offenen Loggien überschneidet. Die Skulptur bleibt dadurch eng an die Architektur gebunden.

Laut Aussage von Max Bill besteht die Skulptur «aus drei sich überschneidenden kreisringen, bei denen die äusseren begrenzungen jeweils die inneren tangieren. die zentren liegen auf einem gleichseitigen dreieck und die aussen liegenden übergänge entsprechen dem radius der äusseren kreise. durch das jeweilige aufschneiden eines kreises in der mitte und das umgedrehte zusammenfügen ergibt sich ein einflächner mit einer einzigen begrenzungslinie» (max bill: unendliche schleife 1935-95 und die einflächner. mit beiträgen von jakob bill, max bill, dietmar guderian, michael hilti. wabern-bern 2000, S. 78).

Die innere Begrenzungslinie der drei sich überlappenden Kreisbänder wird auf diese Weise jeweils zur äusseren Begrenzungslinie. Die symmetrisch angeordneten Kreisbänder vollziehen somit eine Bewegung, die in sich selber übergeht. Bill überwindet die Schwere des Materials, indem er aus einem kompakten Granitblock ein geschwungenes, optisch federleichtes Gebilde schafft, das Fassaden- und Umgebungsfragmente durch Formen- und Materialkontraste in die dynamische Bewegung einbezieht. Die Architektur wird zur Mitspielerin der Skulptur.

Die Skulptur «Rhythmus im Raum» basiert auf dem Prinzip des durch den Mathematiker August Ferdinand Möbius (1790–1868) entdeckten und nach ihm benannten Möbiusband. Das Möbiusband ist aus einer Fläche mit einem Rand gebildet und beschreibt eine einzige Linie, die immer wieder zu sich selber zurückkehrt. Die Skulptur «Rhythmus im Raum», mit der Max Bill eine endlose und zugleich begrenzte Fläche im Raum zur Darstellung brachte, bediente sich einer – wie der Künstler es nannte – «mathematischen Denkweise». Die Mathematik stellte ihm die «lebensnotwendigen Mittel künstlerischen Gestaltens» zur Verfügung, mit denen er im vorliegenden Fall ein Symbol schuf, das die «Gefühlswelt unserer Zeit erfüllen» konnte (Max Bill: Die mathematische Denkweise in der Kunst unserer Zeit. In: Das Werk, Heft 3, März 1949, S. 90).

Bill begriff seine zahlreichen Gross- und Kleinplastiken, die auf den Eigenschaften des Möbiusbandes beruhen, als «autonome gegenstände für den geistigen gebrauch» (max bill: autonome gegenstände für den geistigen gebrauch. In: Du, Juni 1976, S. 50–55). Der von Bill angesprochene Gebrauchscharakter der Kunst, die im Alltag an keine klar definierte Funktion gebunden ist, nähert sich damit der Architektur an, die eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat.

Roland Frischknecht, lic. phil. I
Auftrag_Stadtarchiv_Stadt_Uster

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