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Stadthaus: 10b. Der Gemeinderatssaal


Gemeineratsssaal
Der Ratssaal mit den von Bruno Giacometti entworfenen Pulten für die Mitglieder des
Gemeinderats als ein aufeinander abgestimmtes Gesamtkunstwerk, Aufnahme 1962
(© Stadtarchiv und Kläui-Bibliothek Uster)



Beschreibung
Der Grundriss des Gemeinderatssaals leitet sich aus der Grundform der frühchristlichen Basilika ab, deren Mittelschiff in die nach Osten ausgerichtete, leicht erhöhte Apsis mit dem Bischofstuhl und den Sitzen für den Klerus mündet. Durch Herausschieben der Rückwand im Bereich der Apsis in eine stumpfwinklige Dreieckform fällt das Tageslicht seitlich durch schmale vertikale Glasbausteinbänder auf den Altarbereich, wo der Präsident des Gemeinderates Platz nimmt. Der mit einer höheren Rückenlehne versehene Sessel unterstreicht die Prominenz des illuminierten Ratspräsidenten als «höchster Ustermer».

Die an der Rückfassade leicht vorspringenden Rahmen der grossflächigen Fenster zu beiden Seiten des Altarbereichs lassen die ursprüngliche typologische Funktion als Nebenapsiden erkennen, die in der Sakralarchitektur den räumlichen Abschluss der verlängerten Seitenschiffe bilden. Die Seitenschiffe werden durch vier Betonstützen, die im Grundriss ein Quadrat bilden, von der Ratssaalmitte getrennt. Diese verdeutlicht durch die Anordnung der an weissen Kabeln hängenden flaschenförmigen Leuchtkörper seine Funktion als Zentralraum, in dem die wichtigen politischen Entscheide gefällt werden. Die schon durch den Renaissance-Architekten Andrea Palladio bezeugte «vollkommene Raumform des Quadrates» wiederholt sich am Hochhauswürfel des Stadthauses, der dieselbe Kantenlänge wie der Ratssaal aufweist.

Über einen umlaufenden Kranz aus Glasbausteinen, der vom Haupteingang bis zum Foyer um den Saal geführt wird, fällt von oben gedämpftes Tageslicht den Wänden entlang in den Gemeinderatssaal. Die um die vier inneren Hauptbetonstützen geführte Holzriemendecke, welche die Lüftungskanäle aufnimmt und für eine gute Raumakustik sorgt, scheint durch das einfallende Tageslicht in einen Schwebezustand versetzt.

Da der Saal auch für Vorträge und Konzerte genutzt wird, trennte Giacometti die Zuschauertribüne räumlich nur durch eine Brüstung vom Gemeinderatssaal ab. Die Bestuhlung der Tribüne besteht aus 125 klappbaren Sperrholzsitzen auf einer in Stahlrohr fest montierten Traggestellkonstruktion, wie sie etwa im Hörsaal des ETH-Maschinenlaboratorium (1932-33) von Otto R. Salvisberg anzutreffen ist. Die Pulte und Tische wurden von Bruno Giacometti entworfen. Die Auswahl der Stühle besorgte er mit der Möbelfirma Horgen-Glarus.

Aufgrund der aufeinander abgestimmten Materialien und der einfachen geometrischen Grundformen erzielte Giacometti mit dieser Inneneinrichtung eine homogene Raumwirkung im Sinne eines Gesamtkunstwerkes. Das bewegliche Mobiliar wurde 2007 durch neue Möbel ersetzt, die ohne Beziehung zur Architektur die Gesamtwirkung des Innenraums empfindlich stören. Die ursprünglichen Möbel wurden für die Einrichtung zweier Schulzimmer in der bosnischen Stadt Kljuc verwendet. Ein Pult und ein Stuhl sind inzwischen in die Designsammlung der Hochschule der Künste in Zürich aufgenommen worden.

Roland Frischknecht, lic. phil. I
Auftrag_Stadtarchiv_Stadt_Uster

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