Willkommen auf der Website der Gemeinde Stadt Uster



Sprungnavigation

Von hier aus k?nnen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:
Startseite Alt+0 Navigation Alt+1 Inhalt Alt+2 Suche Alt+3 Inhaltsverzeichnis Alt+4 Seite drucken PDF von aktueller Seite erzeugen
top

Stadthaus: 11. Das Trauzimmer


Trauzimmer
Das Trauzimmer mit dem als Altar ausgebildeten Nussbaumtisch von Bruno Giacometti
und dem Leuchtkörper aus Murano-Glas, Aufnahme 1962
(© Stadtarchiv und Kläui-Bibliothek Uster)



Beschreibung
Der auf einem kleinen Sockel von den Verwaltungstrakten abgesetzte Hochhauswürfel, unter dem das Trauzimmer zu liegen kommt, schafft die Voraussetzung, die Raumhöhe gegenüber den Büroräumlichkeiten leicht anzuheben. Die Deckenkonstruktion, welche sich die maximale Raumhöhe zu Nutze macht, verleiht dem Trauzimmer einen sakralen Charakter. Eine leicht von den hellen Wänden bis auf die Höhe der Fenster abgesetzte zeltartige Eichenholzdecke überspannt den auf einem quadratischen Grundriss beruhenden Raum.

Mit den vier aus Eichenholz gefertigten Deckenflächen, die pyramidenartig auf einen Firstpunkt zulaufen, kehrt Bruno Giacometti zu einer Urform des Bauens zurück, mit der er ein Symbol für das Himmelszelt schafft. Im Scheitelpunkt der Eichenholzdecke dominiert ein aus polyederartigen Glaskörpern zusammengefügter Leuchter, der vom italienischen Architekten Carlo Scarpa, mit dem Giacometti befreundet war, entworfen worden ist. Die Glaskörper des Leuchters sind in der Glasmanufaktur Venini in Murano hergestellt worden. Die vielflächigen, von zahlreichen Ecken begrenzten Glaskörper streuen das göttliche Licht über dem Haupt des Brautpaars.

Die Stühle sind mit einer weissen Lederpolsterung versehen, die sich farblich in der Schreibunterlage auf dem Blatt des altarartigen Nussbaumtisches wiederholt: Der Farbe des Lichts und der Reinheit, welche die Braut als Festkleid bei der Vermählung trägt. In Wassily Kandinskys Farbenlehre entspricht das Weiss einem «Nichts, welches vor dem Anfang, vor der Geburt ist». Der Traualtar basiert auf Entwürfen von Bruno Giacometti, der auch den Polsterbezug der Stühle, die aus der Produktion der Firma Horgen-Glarus stammen, ausgewählt hat.

Die formale Einheit der Innenarchitektur wurde 1994 durch unsensible Eingriffe, mit denen das gesamte Mobiliar eliminiert wurde, empfindlich gestört. Da die Stühle eingelagert worden sind, könnten sie für eine künftige Rekonstruktion des Trauzimmers wieder verwendet werden.

Roland Frischknecht, lic. phil. I
Auftrag_Stadtarchiv_Stadt_Uster

zur Übersicht