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Stadthaus: 09. Die Schalterhalle


Schalterhalle
Die zweigeschossige Schalterhalle mit den beiden Pflanzentrögen und der Brunnenplastik
aus belgischem Granit, die von Bruno Giacometti entworfen worden sind,
Aufnahme 1962 (© Stadtarchiv und Kläui-Bibliothek Uster)



Beschreibung
Die drei im T-förmigen Gebäudegrundriss begründeten inneren Erschliessungswege der Verwaltungstrakte werden über den zwei quadratischen Grundflächen der zweigeschossigen Schalterhalle miteinander verbunden. In diesem für die Öffentlichkeit bestimmten Zentralraum wird das Zusammenwirken aller Verwaltungsabteilungen im Dienste der Bevölkerung mit architektonischen Mitteln versinnbildlicht. Die aus Eichenholz und Vierkantstahlrohr gefertigten Brüstungselemente im ersten Obergeschoss dienen auch als temporäre Ablageflächen. Sie gewähren zudem überraschende Durchblicke, die räumliche Details in kleine Bilderrahmen fassen und so ein komplexes visuelles Spiel in Gang setzen.

Die Lichtreflexe des von Bruno Giacometti entworfenen Terrazzobodens (siehe Foyer) schaffen einen reizvollen Kontrast zur tabakbraun gestrichenen Decke, von der gedämpftes Tageslicht durch die runden Oberlichter in die Schalterhalle fällt. Gemäss Giacomettis Auffassung resultiert aus dem dunklen Deckenanstrich – entgegen der vorherrschenden Meinung – eine für das menschliche Auge unkontrollierbare Raumhöhe, die nicht «drückend» wirkt.

Einen Innenraum ohne Blickbezug nach aussen, der mit einem weissen Deckenanstrich versehen ist, empfindet der Architekt als «drückend», weil die Decke in diesem Fall gar nicht existiert. Damit ist ein optisches Phänomen der menschlichen Wahrnehmung angesprochen, das in der Eigenschaft der Farbe weiss begründet ist, die zu einer Entmaterialisierung des Farbgrundes neigt. Ein Umstand, der bei gedämpften Lichtverhältnissen gesteigert wird und dem Giacometti mit einem tabakbraunen Farbanstrich entgegenwirkt. Dass diese Meinung nicht von allen geteilt wird, zeigt der heutige Zustand der Decke, die schon längst einen weissen Farbanstrich erhalten hat.

Die beiden rechtwinklig zueinander angeordneten Pflanzentröge aus schwarzem belgischem Granit, an denen zwei auf Konsolen festgeschraubte L-förmige Eichenholz-Sitzflächen in diagonaler Stellung um die Ecken geführt werden, schaffen räumliche Bezüge zur T-Form der Erschliessungsbrücke im Obergeschoss. Die ebenfalls aus belgischem Granit durch den Ustermer Bildhauer Walter Anton Hürlimann (1899–1979) ausgeführte runde Brunnenplastik erweitert das Thema des architektonischen Raums.

Die beiden Pflanzentröge mit den Sitzflächen und die Brunnenplastik, deren raumgliedernde Funktion durch die konstruktiven Voraussetzungen der doppelgeschossigen Halle bestimmt ist, wurden von Bruno Giacometti entworfen. Die perfekte Lichtinszenierung aus Tages- und Kunstlicht erhebt mit einer gezielten Material- und Farbwahl den Anspruch, jedem Raum eine seiner Funktion entsprechende individuelle Atmosphäre zu verschaffen. Giacomettis Haltung ist nicht nur in rein funktionalen Überlegungen begründet, sondern berücksichtigt auch die psychischen Bedürfnisse der NutzerInnen nach optischer, akustischer und haptischer Anregung. Darin zeigt sich eine enge Verwandtschaft mit dem finnischen Architekten Alvar Aalto.

Roland Frischknecht, lic. phil. I
Auftrag_Stadtarchiv_Stadt_Uster

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