Willkommen auf der Website der Gemeinde Stadt Uster



Sprungnavigation

Von hier aus k?nnen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:
Startseite Alt+0 Navigation Alt+1 Inhalt Alt+2 Suche Alt+3 Inhaltsverzeichnis Alt+4 Seite drucken PDF von aktueller Seite erzeugen
top

Stadthaus: 03. Der Stadthausplatz als Piazza


Stadthausplatz
Frontalansicht des Stadthauses mit der Piazza und der Max Bill-Plastik im Mittelgrund rechts,
Aufnahme um 1966 (© Stadtarchiv und Kläui-Bibliothek Uster)



Beschreibung
Die rechtwinklig zueinander angeordneten, überdachten Verbindungswege fassen den Stadthausplatz zusammen mit dem Wasserbassin und dem T-förmigen Gebäudegrundriss an drei Seiten ein. Der Platz öffnet sich zur Bahnhofstrasse und wird gleichzeitig von ihr begrenzt. Die bewegten Flächen- und Helligkeitskontraste des in Rechtecke unterteilten Platzes und die Lichtreflexe der Wasseroberfläche im Bassin korrespondieren mit den Bandfenstern und der Fassadenverkleidung aus hellgelbem toskanischem Travertin.

Die Niveauunterschiede des Stadthausplatzes und der Verbindungswege setzen sich im Erdgeschoss in der Eingangshalle, im Ausstellungsfoyer, im Gemeinderatssaal und in der Schalterhalle fort. Bruno Giacometti schafft Raumgruppen mit unterschiedlicher Raumhöhe und Funktion, deren Bodenflächen und Treppen aus Tessiner Granit eine Verbindung zum Aussenraum herstellen. Die Piazza der italienischen Stadtstaaten des ausgehenden Mittelalters – insbesondere die Piazza San Marco in Venedig – hat für die Gestaltung des Stadthausplatzes eine Leitbildfunktion. Das Stadthaus ist in diesem Sinne eine Antwort auf die Frage nach der architektonischen Umsetzung der sozialen und kulturellen Mitte, die der Stadt ein Gemeinschaftsgefühl vermittelt. Das wurde schon 1962 in der Presse so wahrgenommen: «Ein solches Gemeindehaus ist auch Sinnbild dafür, dass nicht Rivalitäten herrschen sollen, sondern einträchtiges Miteinander zum Wohle des Gemeinwesens, (...) damit das Ganze organisch funktioniere.» («Das neue Gemeindehaus Uster», in: Anzeiger von Uster, Sonderbeilage vom 22. Juni 1962)

Der Stadthausplatz wird durch hellgraue Granitstreifen in asphaltierte Rechtecke und Quadrate unterteilt. Die Streifen sind aus verschieden grossen Granitplatten zusammengefügt, die alle auf ein Grundmass von 25 x 25 cm zurückgehen, das seinerseits durch den Fensterraster von 1.75 m Breite teilbar ist. Die zum Teil versetzten Granitstreifen verlaufen in Hauptrichtung zum Gebäude in einem Abstand von 3.50 m, der durch den von aussen nicht sichtbaren Eisenbetonstützenraster gegeben ist. Der Stützenabstand der offenen Loggien ist folglich auf 7 m ausgelegt. Die Abstände der Querstreifen des Platzes orientieren sich an den vier bepflanzten quadratischen Flächen beim Bassin, die eine Seitenlänge von 2.95 m aufweisen. Dieses Mass entspricht zugleich der Raumhöhe im Innern des Stadthauses.

Die Grundmasse für den Fensterraster und die Raumhöhe hat Bruno Giacometti aus dem von Le Corbusier zwischen 1942 und 1948 entwickelten «Modulor I & II» entnommen. Mit dem «Modulor» schuf Le Corbusier ein Proportions- und Masssystem, das dem Architekten ein am Körpermass des Menschen orientiertes Instrument für die Dimensionierung seiner Bauten in die Hand gibt und auf den mathematischen Regeln des Goldenen Schnittes beruht. Die Platzeinteilung nimmt folglich die in der Architekturzeichnung im Grundriss und im Schnitt entwickelten Grundmasse auf. Das Gebäude bricht an der Fassade nicht ab, es streckt sich gewissermassen in die Umgebung aus und nimmt den Platz auf. Der Stadthausplatz bildet zusammen mit den gedeckten Verbindungswegen, den Abschlussmauern und dem Wasserbecken eine an das Stadthaus gebundene Aussenarchitektur.

Da sich aufgrund von Terrainabsenkungen vor einigen Jahren Risse in den Granitplatten zeigten, wurde der Stadthausplatz mit einem ganzflächigen Teerbelag versehen. Damit ging die von Bruno Giacometti angestrebte, lebendige Verbindung von Aussen- und Innenraum verloren. Der Platz könnte auf der Basis des erhalten gebliebenen Detailplans von 1962 problemlos in den Originalzustand überführt werden.

Roland Frischknecht, lic. phil. I
Auftrag_Stadtarchiv_Stadt_Uster

zur Übersicht