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Die Entstehung der Ustermer Ortsnamen


Uster, seine Quartiere und Aussenwachten – wie deren Namen geschichtlich entstanden sind, wird hier erklärt.

Uster
Der Ortsname Uster wird erstmals 775 in der Form Ustra erwähnt (903 Hustera, 907 Ustra, 1244 Ustre, 1260 Ustere). Es handelt sich wohl um einen ursprünglichen Gewässernamen, der sekundär (durch die am heutigen Aabach entstandene Ansiedlung) zum Ortsnamen wurde. Er geht aller Wahrscheinlichkeit nach auf ahd. *ustar-aha 'gieriger, gefrässiger Bach' zurück, regelgemäss zu *ustara und Ustra weiterentwickelt. Dafür spricht, dass der heutige Aabach in der Vergangenheit zahlreiche Überschwemmungen verursacht hat. Deutungen, die von ahd. östar 'nach Osten, im Osten liegend' oder lateinischen bzw. keltischen Etyma ausgehen, sind sachlich wie etymologisch unhaltbar.

Kirchuster
Der Ortsname Kirchuster wird erstmals 1416 in der Form ze Kilch Ustre erwähnt. Es handelt sich um eine um das Bestimmungslied Kirch- erweiterte bzw. präzisierte Form des Namens Uster, der den Ortsteil um die am Abhang des Schlosshügels stehende Andreaskirche meint.

Oberuster
Der Ortsname Oberuster (um 1325 ze Obern Ustra) präzisiert als Ortsteilname den Gemeindenamen Uster um das Bestimmungsglied Ober-, das den östlichen, leicht erhöht gelegenen Ortsteil vom zentralen sowie vom westlichen, gegen den Greifensee hin gelegenen Ortsteil Niederuster abgrenzt.

Niederuster
Der Ortsname Niederuster wird erstmals vor 1227 in der lat. Form de Inferiori Ustero und 1300 in der deutschen Form ze Nider(e)n Ustre (1416 ze Nidern Ustra) erwähnt. Er präzisiert als Ortsteilname den Gemeindenamen Uster um das Bestimmungsglied Nieder-, das den westlichen, gegen den Greifensee hin gelegenen vom zentralen sowie vom östlichen, leicht erhöht gelegenen Ortsteil Oberuster abgrenzt.

Wil
Der Ortsname Wil wird erstmals 1323 in der Form Wîle erwähnt. Es handelt sich um einen primären Ortsnamen, der auf das Lehnwort ahd. wiläri ‘kleines Dorf, Weiler; Einzelhof' (<lat. villare 'Gehöft, Vorwerk') zurückgeht und im ganzen alemannischen Siedlungsraum als Namentyp vorkommt. Häufig erscheint -wil als Grundwort von Komposita (vgl. Freudwil, Wermatswil), gelegentlich jedoch auch als Simplex (vgl. auch Wil SG). Auch die auf -n (-wilen) und -r (-wiler) ausgehenden Namen gehören zum selben Typ und reflektieren Ortsnamen einer Landesausbauphase etwa zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert. Da es sich um einen sehr produktiven Lehnwortnamentyp handelt, ist lateinisches villa als Grundlage unwahrscheinlich.

Freudwil
Der Ortsname Freudwil wird erstmals 1264 in der Form Vridenwiler erwähnt (1274 Vreidenwile). Es handelt sich um einen primären Ortsnamen mit dem Grundwort ahd. wiläri 'kleines Dorf, Weiler; Einzelhof' und einem möglicherweise aus einem zweigliedrigen germanischen Rufnamen gekürzten eingliedrigen Personennamen mit Bestimmungswort germ. *friþu- 'Friede', also wohl Frido o. ä., wie er im Frühmittelalter ganz geläufig war. In der Gesamtdeutung 'Hofsiedlung des Frido' kommt die Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur jener Siedlungsphase zum Ausdruck, in der noch immer die Rufnamen bedeutender Einzelpersönlichkeiten die Benennung kleinerer Ansiedlungen veranlasst haben dürften.

Nänikon
Der Ortsname Nänikon wird erstmals 741 in der Form Nancinchova erwähnt (744 Nancinchoua; jüngere Belege jedoch nur noch Neninchon u. ä., also ohne -c- vor dem Suffix). Es handelt sich um einen primären Siedlungsnamen des zu -ikon kontrahierten -ing-hofen-Typs (Zugehörigkeitssuffix -ing und alte, nicht umgelautete, lokativische Dativ-Plural-Form von ahd. hof 'Hof, umschlossenes Gelände, Gehöft') mit einem Personennamen im Vorderglied. Die Namen dieses Typs haben alle die Bedeutung 'bei den Höfen der Leute des N.N.'. Im Fall von Nänikon liegt ein Personenname vor, der sich nicht mehr genau identifizieren lässt; geht man von den ältesten Namenformen aus, wäre Nanzo anzusetzen, ein Name, der im Frühmittelalter gut bezeugt ist; die jüngeren Formen legten eher einen Nan(n)o nahe. Bei beiden Formen handelt es sich um Kurzformen ehemals zweigliedriger germanischer Rufnamen wohl mit dem Namenstamm *nanþa- 'Mut' im Erstglied. In der Gesamtdeutung 'bei den Höfen der Leute des Nanzo/Nan(n)o' kommt die Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur jener Siedlungsphase zum Ausdruck, in der noch immer die Rufnamen bedeutender Einzelpersönlichkeiten die Benennung kleinerer Ansiedlungen veranlasst haben dürften.

Nossikon
Der Ortsname Nossikon wird erstmals 903 in der Form Nossinchoven erwähnt. Es handelt sich um einen primären Siedlungsnamen des zu -ikon kontrahierten -ing-hofen-Typs (Zugehörigkeitssuffix -ing und alte, nicht umgelautete, lokativische Dativ-Plural-Form von ahd. hof 'Hof, umschlossenes Gelände, Gehöft') mit einem Personennamen im Vorderglied. Die Namen dieses Typs haben alle die Bedeutung 'bei den Höfen der Leute des N.N.'. Im Fall von Nossikon liegt ein Personenname vor, der sich nicht mehr genau identifizieren lässt (Nosso?). Mutmasslich handelt es sich um die schwach flektierende Kurzform eines ehemals zweigliedrigen Namens mit germ. *naudi-, ahd. nôt 'Zwang, Not' im Bestimmungsglied und einem mit s- anlautenden Zweitglied. Werden die im germanischen Rufnamensystem üblichen zweigliedrigen Bildungen emphatisch oder hypokoristisch gekürzt, entstehen häufig inlautverschärfte zweisilbige Formen, wie sie in frühen alemannischen Ortsnamen ganz geläufig sind. In der Gesamtdeutung 'bei den Höfen der Leute des Nosso (o. ä.)' kommt die Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur jener Siedlungsphase zum Ausdruck, in der noch immer die Rufnamen bedeutender Einzelpersönlichkeiten die Benennung kleinerer Ansiedlungen veranlasst haben dürften.

Riedikon
Der Ortsname Riedikon wird erstmals 741 in der Form Reutinchova erwähnt (744 Hreotinchova; 902 Rietinchovan). Es handelt sich um einen primären Siedlungsnamen des zu -ikon kontrahierten -ing-hofen-Typs (Zugehörigkeitssuffix -ing und alte, nicht umgelautete, lokativische Dativ-Plural-Form von ahd. hof 'Hof, umschlossenes Gelände, Gehöft') wohl mit einem Personennamen im Vorderglied. Die Namen dieses Typs haben meist die Bedeutung 'bei den Höfen der Leute des N.N.'. Im Fall von Riedikon liegt wohl ein schwach flektierender Personenname vor, dessen genaue Form und Bedeutung jedoch nicht mehr bestimmt werden kann (Reuto? Hreoto?), da offensichtlich schon früh eine Angleichung an das Appellativ ahd. hriot stn. 'Ried, Schilf' eintrat. Namen dieses Typs reflektieren die Ausbausiedlungen des 7. und 8. Jahrhunderts. In der Gesamtdeutung 'bei den Höfen der Leute des Reuto (o. ä.)' kommt die Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur jener Siedlungsphase zum Ausdruck, in der noch immer die Rufnamen bedeutender Einzelpersönlichkeiten die Benennung kleinerer Ansiedlungen veranlasst haben dürften.

Sulzbach
Der Ortsname Sulzbach wird erstmals um 1200 (?) in der Form Sulzbach erwähnt. Es handelt sich um einen ursprünglichen Gewässer- oder Flurnamen, der sekundär (durch die bei der so benannten Örtlichkeit entstandene Ansiedlung) zum Ortsnamen wurde. Das Bestimmungswort Sulz geht zurück auf ahd. sulza, mhd. sulz 'Salzwasser', das Grundwort auf ahd. bah, mhd. bach 'Bach, Fluss'. Die Namen dieses Typs beziehen sich in der Regel auf leicht salzhaltiges oder sumpfiges Wasser führende Fliessgewässer, auch auf morastigen Grund (Salz aus Muschelkalk), der saures und bitteres Gras liefert.

Wermatswil
Der Ortsname Wermatswil wird erstmals 1253 in der Form Werenbrehtswile erwähnt. Es handelt sich um einen primären Siedlungsnamen mit dem Grundwort ahd. wiläri 'kleines Dorf, Weiler; Einzelhof' und einem in der Zeit geläufigen Personennamen Werinbreht im Bestimmungsglied (mutmasslich ethnonymisches *warin- + germ. *berhtaz 'glänzend, berühmt'). In der Gesamtdeutung 'Hofsiedlung des Werinbreht' kommt die Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur jener Siedlungsphase zum Ausdruck, in der noch immer die Rufnamen bedeutender Einzelpersönlichkeiten die Benennung kleinerer Ansiedlungen veranlasst haben dürften.

Werrikon
Der Ortsname Werrikon wird erstmals 1250 in der Form Werrichen (1294 Werinchon) erwähnt. Es handelt sich um einen primären Siedlungsnamen des zu -ikon kontrahierten -ing-hofen-Typs (Zugehörigkeitssuffix -ing und alte, nicht umgelautete, lokativische Dativ-Plural-Form von ahd. hof 'Hof, umschlossenes Gelände, Gehöft') mit einem Personennamen im Vorderglied. Die Namen dieses Typs haben meist die Bedeutung 'bei den Höfen der Leute des N.N.'. Im Fall von Werrikon liegt wohl der Personenname Waro oder Wero vor, wie er im Frühmittelalter bezeugt ist, eine Kurzform eines ursprünglich zweigliedrigen Personennamens, dessen Erstglied aus dem Verb germ. *warjan- 'wehren' gebildet ist. Namen dieses Typs reflektieren die Ausbausiedlungen des 7. und 8. Jahrhunderts. In der Gesamtdeutung 'bei den Höfen der Leute des Waro (oder Wero)' kommt die Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur jener Siedlungsphase zum Ausdruck, in der noch immer die Rufnamen bedeutender Einzelpersönlichkeiten die Benennung kleinerer Ansiedlungen veranlasst haben dürften.

Winikon
Der Ortsname Winikon wird erstmals ca. 1325 in der Form Winckhen erwähnt (1361 Winninkon). Es handelt sich um einen primären Siedlungsnamen des zu -ikon kontrahierten -ing-hofen-Typs (Zugehörigkeitssuffix -ing und alte, nicht umgelautete, lokativische Dativ-Plural-Form von ahd. hof 'Hof, umschlossenes Gelände, Gehöft') mit einem Personennamen im Vorderglied. Die Namen dieses Typs haben alle die Bedeutung 'bei den Höfen der Leute des N.N.'. Im Fall von Winikon liegt wohl der Personenname Wino vor, wie er im Frühmittelalter reich bezeugt ist, er ist semantisch zu ahd. wino 'Freund' zu stellen. Namen dieses Typs reflektieren die Ausbausiedlungen des 7. und 8. Jahrhunderts. In der Gesamtdeutung 'bei den Höfen der Leute des Wino' kommt die Siedlungs- und Gesellschaftsstruktur jener Siedlungsphase zum Ausdruck, in der noch immer die Rufnamen bedeutender Einzelpersönlichkeiten die Benennung kleinerer Ansiedlungen veranlasst haben dürften.

Autor: Martin Hannes Graf